Am Anfang rollt eine Welle großer Investitionen auf den Kamerainteressierten Menschen zu. Irgendwie reicht Dir das Kit-Objektiv hier und da nicht, Du möchtest andere Brennweiten, mehr Licht einfangen und überhaupt bist Du recht eingeschränkt mit dem was Du hast. Objektive müssen her, aber die sind oft teuer und bei einer Ausgabe von mehr als 300 – 400 € möchtest Du auch nichts falsch machen. Was also tun?

Festbrennweiten oder Zoomobjektive

Zuerst einmal stellt sich die Frage mit was genau man anfangen soll. Es gibt Festbrennweiten – die nur eine Brennweite haben. Es gibt Zoomobjektive die mehrere Brennweiten abdecken. Im Kleinbildbereich (Vollformat) zum Beispiel 24-70 mm (analog APS-C 16-50mm), 28-135mm, 70-200mm und die entsprechenden Äquivalenten im APS-C Bereich dazu. Ebenfalls bieten diese Objektive unterschiede in der Blende: Objektive mit durchgehender Blende 4 oder welche mit 3.5 – 5.6. Die Festbrennweiten bieten da oft größere Blendenöffnungen wie 2.8, 1.8. oder 1.4 an. Aber was willst Du denn nun?

Der Bildwinkel, Cropfaktor und Bildwirkung

Je nach Sensor ergibt sich ein anderer Bildwinkel per Brennweite. Klingt kompliziert, ist es aber gar nicht: Je kleiner die Brennweite desto größer wird der Bildwinkel. Heißt: Du bekommst mehr auf Dein Bild. Vergrößert sich die Brennweite bist Du näher dran. Probier es mal mit Deinem Kitobjektiv aus: Nimm die kleinste Brennweite (bei mir war es 16) und mach ein Foto, danach auf die größte – Du bist heran gezoomt und bekommst nicht mehr soviel auf das Bild.

Hier siehst Du wie sich der Bildwinkel verändert: Bei 12mm ergeben sich 88° Bildwinkel, bei 105mm nur noch 12°. Das Menschliche Auge kann zwar fast 180° wahrnehmen, jedoch nur um die 45° bewusst sehen. Daraus ergibt sich übrigens das (auf Vollformat) Brennweiten um 35mm – 50mm beliebt sind bei Reportagen, Presse und Dokumentation: Der Bildwinkel ist ähnlich wie dem des menschlichen Auges und das Bild wirkt realer.

Durch die geringere Sensorgröße einer APS-C Kamera gegenüber Vollformatkameras ergibt sich immer ein sogenannter Cropfaktor – meistens so um 1,5-1,6. Hast Du eine APS-C Kamera musst Du Deine Brennweite mit dem Cropfaktor multiplizieren um zu wissen welcher Brennweite Dein Objektiv dem „normalen“ Kleinbildobjektiv entspricht. Wichtig ist das weniger, Du solltest in etwa wissen das 16mm APS-C etwa 24mm Kleinbild entsprechen.

APS-CKleinbild
16mm24mm
24mm35mm
30mm50mm
56mm85mm

In der Tabelle siehst Du die wichtigsten Brennweiten für APS-C und Kleinbildkameras. Wichtig zu wissen ist: Unter 50mm befinden wir uns im Weitwinkelbereich, Oberhalb im Telebereich. Landschaft, Architektur, Indooraufnahmen nehmen wir im Weitwinkel auf, Portraits und sachen die weit weg sind im Tele. Und alles andere versuchen wir mit 50mm.

Verwirrend? Ja Klar!

Das sind nun einige Infos die Dich nicht zwingend weiter bringen. Was sollst Du denn nun kaufen? Die meisten Fotolehrer, Youtuber und Fotografen raten zu 50mm Festbrennweite. Gern Lichtstark, das heißt 1.8 Blende oder ähnlich. Das hat auch Sinn. Denn mit einer Festbrennweite fotografierst Du anders, bewusster. Du hast kein Zoom mehr á la „Ich zoome mal raus, weil es passt nicht auf’s Bild“ – Du wirst Dich bewegen. Und das ist gut.

Und nun spanne ich den Bogen zur Überschrift: Du bekommst alte Objektive sehr günstig bei Ebay und Ebay Kleinanzeigen. Schau Dich mal auf der Seite Altglas-Container um. Dort findest Du einen Haufen Infos und Beispielbilder zu alten Objektiven. Such Dir dort etwas aus und schau mal auf Ebay ob Du fündig wirst: Ich habe mir z.B. das Auto Revuenon MC 50mm 1.4 für – ich glaube 40€ bei Ebay gekauft. Dazu habe ich noch ein Soligor 24mm 2.5 gefunden. Mit einem Adapter (bei mir Pentax K auf Sony E Mount) kann man diese alten Gläser auf aktuelle Kameras adaptieren.

Zum Vergleich: Mein Sigma 16mm 1.4 hat um die 350 € gekostet. Natürlich: Neue Linse, sehr scharf, Autofokus, wenig Gegenlichtprobleme – aber hey: Früher gab es diesen ganzen Schnick Schnack auch nicht und manuelles Fokussieren schult Deine Foto-skills. Und um andere Brennweiten zu testen: ideal, oder?

Wenn Du also auf moderne Technik verzichten kannst, Dich schulen möchtest, den Charme von alten Objektiven, die Retro- Farb- und Kontrastwiedergabe magst, dann probier das. Mit einem Adapter kannst Du oft unter 100 € tolle Objektive erstehen. Und wenn Du dann feststellst: 24mm ist genau meine Brennweite die ich gerne nutze – dann kannst Du immer noch 400€ für ein Objektiv mit Autofokus, Bildstabi und superscharfer Linse investieren.

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